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Radarreflektor
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top
Radarreflektoren sind Retroreflektoren fĂŒr Radaranwendungen und zumeist Tripelspiegel (englisch corner reflector).
Mit diesem Oberbegriff werden Konstruktionen zusammengefasst, welche fĂŒr RadargerĂ€te ein besonders starkes Echosignal und somit ein sicheres Zielzeichen (englisch target) auf dem Radarschirm fĂŒr Objekte erzeugen, die ansonsten nur ĂŒber eine sehr geringe oder instabile effektive ReflexionsflĂ€che verfĂŒgen. Radarreflektoren werden nach quasioptischen Prinzipien konstruiert und verwenden meist die Spiegelreflexion (Reflexion an glatten FlĂ€chen), aber auch die Brechung und Beugung zur Erzeugung einer effektiven ReflexionsflĂ€che. Als BezugsgröĂe fĂŒr die Wirksamkeit eines Radarreflektors wird meist diese FlĂ€che in Quadratmeter angegeben.
Contents
âą BezugsgröĂe
âą Wirkungsweise
âą LĂŒneburg-Linsen
âą Anwendung
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
BezugsgröĂe
â
Hauptartikel
:
Radarquerschnitt
Als Referenz wird ein kugelförmiger Reflektor mit einer ideal leitenden OberflĂ€che angegeben, dessen Parallelprojektion auf eine Ebene senkrecht zur Projektionsrichtung (sprich: dessen Schatten auf dieser Ebene) eine FlĂ€che von einem Quadratmeter aufweist. Von diesem Referenzreflektor ist jedoch nur eine sehr kleine FlĂ€che als RĂŒckstrahler wirksam: es sind nur wenige Quadratzentimeter genau in der Mitte, welche die ankommende Sendeenergie genau in die Richtung des RadargerĂ€tes zurĂŒck reflektieren können. Alle anderen FlĂ€chen dieser Kugel verteilen die ankommende Energie im Raum. Sie sind an der Retroreflexion nicht beteiligt. Allerdings hat diese Referenz den Vorteil, dass sie richtungsunabhĂ€ngig ist: sie reflektiert in alle Richtungen gleich gut.
Durch einen Radarreflektor wird ein sehr viel gröĂerer Anteil seiner OberflĂ€che fĂŒr die Retroreflexion wirksam. Selbst geometrisch sehr kleine FlĂ€chen eines Winkelreflektors mit wenigen Quadratzentimetern OberflĂ€che können vergleichbar viel â manchmal sogar mehr â Energie genau zum Radar zurĂŒck reflektieren als diese Kugel mit dem Durchmesser von etwa 1,13 m. Sie haben damit trotz der geringen geometrischen GröĂe eine effektive ReflexionsflĂ€che von einem â oder mehr â Quadratmetern.
In der Praxis können Berechnungen dieser effektiven ReflexionsflĂ€che nur nĂ€herungsweise durchgefĂŒhrt werden. Es wird durch diese Winkelreflektoren nicht nur einfach reflektiert, sondern es treten noch mehr physikalische Effekte auf, zum Beispiel eine Beugung an den AuĂenkanten. Das fĂŒhrt zu einer sogenannten umlaufenden Welle, deren Energieanteil dann mit dem reflektierten Anteil in entweder konstruktiver oder destruktiver Interferenz tritt. Je nach GröĂe des Winkelreflektors und somit je nach LĂ€nge des Umwegs der umlaufenden Welle kann die zurĂŒck reflektierte Energie im gĂŒnstigen Fall auf mehr als das Doppelte ansteigen oder ungĂŒnstigen Falls weniger als die HĂ€lfte sein. Der Effekt ist ebenfalls abhĂ€ngig von der WellenlĂ€nge des RadargerĂ€tes. Dieses Verhalten kann bei in der Seefahrt genutzten Winkelreflektoren gezielt ausgenutzt werden, da die dort genutzten RadargerĂ€te alle in einem sehr schmalen Frequenzbereich arbeiten (etwa 9,3 bis 10,5 GHz, das entspricht einer WellenlĂ€nge von etwa 3 cm).
Winkelreflektoren
Winkelreflektoren bestehen im Grundelement aus zwei oder drei im Winkel von exakt 90° zueinander stehenden elektrisch leitenden FlĂ€chen. Aus diesem Grundelement werden verschiedene Formen von Winkelreflektoren konstruiert. Winkelreflektoren mit drei FlĂ€chen reflektieren Funkwellen und Mikrowellenstrahlung in genau die Richtung, aus der die Quellstrahlung erfolgt, ohne dass sie wie ein Spiegel senkrecht dazu ausgerichtet sein mĂŒssen.
Wirkungsweise
Ist die WellenlĂ€nge klein gegenĂŒber den geometrischen Abmessungen des Winkelreflektors, liegt Retroreflexion nach rein optischen Gesetzen vor. Eintreffende elektromagnetische Wellen werden durch doppelte oder dreifache Reflexion in genau die Richtung zurĂŒckgeworfen, aus der sie kommen. Auch kleine Objekte mit geringer ReflexionsflĂ€che erlangen dadurch eine starke Reflexion zurĂŒck in Richtung Strahlungsquelle, sie liefern ein sehr viel stĂ€rkeres Radarecho als andere reflektierende Körper und erscheinen auf einem analogen Radarschirm wesentlich heller. Die zweifache Reflexion an senkrecht zueinander stehenden elektrisch leitenden Platten geschieht phasensynchron, da die Strecken der einzelnen Phasen gleich sind (a+b+c = a'+b'+c'). Bei einem beliebigen Einfallswinkel wirkt der Winkelreflektor somit wie eine im rechten Winkel zur Einfallsrichtung stehende Platte. Diese Phasenkongruenz ist nur in der Richtung gegeben, aus der die Quellstrahlung erfolgt. Die wirksame FlĂ€che entspricht in der Hauptrichtung etwa der Projektion des Winkelreflektors auf die Ebene dieser Platte.
Winkelreflektoren mit zwei FlÀchen
Diese Winkelreflektoren bestehen nur aus zwei FlĂ€chen, die exakt rechtwinklig zueinander stehen. Die TeilflĂ€chen mĂŒssen fĂŒr eine gute Funktion exakt senkrecht zur Ebene der einfallenden Wellen montiert werden. Entgegen dem erklĂ€rten Ziel der Konstruktion, in jede Richtung annĂ€hernd gleich gut zu reflektieren, sind diese Winkelreflektoren immer noch stark richtungsabhĂ€ngig. Die maximal zurĂŒck reflektierte Energie kann nur in einer Hauptrichtung â in Richtung Symmetrieachse â wirksam werden. Diese Hauptrichtung ist gegeben, wenn die Parallelprojektion beider einzelnen ReflexionsflĂ€chen etwa gleich groĂ ist. Die FlĂ€chen stehen damit etwa in einem 45°-Winkel zu der Symmetrieachse. Die in Richtung RadargerĂ€t zurĂŒck reflektierte Energie sinkt ab einer Abweichung von 15° von der Symmetrieachse auf die HĂ€lfte des Maximums.
Ï Ï = 8 Ï Ï â
â
s 2 λ λ 2 {\displaystyle \sigma ={\frac {8\pi \cdot s^{2}}{\lambda ^{2}}}} (1) Ï Ï {\displaystyle \sigma } = effektive ReflexionsflĂ€che s {\displaystyle {\text{s}}} = FlĂ€che einer Seite des Reflektors. λ λ {\displaystyle \lambda } = WellenlĂ€nge des aufklĂ€renden RadargerĂ€tes
Bei der Anwendung der Formeln muss beachtet werden, dass, wenn der Winkelreflektor kleiner als etwa die zehnfache WellenlĂ€nge des abfragenden RadargerĂ€tes ist, durch lokale Resonanzen der praktische Wert der effektiven ReflexionsflĂ€che um das bis zu Vierfache vom theoretisch berechneten Wert abweichen kann. Da die Frequenzen von hĂ€ufig verwendeten NavigationsradargerĂ€ten bekannt sind (etwa 9,3 bis 10,5 GHz), haben sich in der Praxis StandardgröĂen als ungefĂ€hres Vielfaches der verwendeten WellenlĂ€ngen durchgesetzt, die mit ihrer geometrischen GröĂe gerade so liegen, dass eine positive Abweichung vom theoretisch errechneten Wert zum Tragen kommt. Je gröĂer ein Winkelreflektor ist, desto geringer ist der Einfluss der Resonanz. Ab der zehnfachen WellenlĂ€nge ist dieser Einfluss vernachlĂ€ssigbar klein. Das gilt dann im oben genannten Frequenzband ab einer KantenlĂ€nge von 30 cm â trifft also fĂŒr die meisten der im Handel angebotenen Winkelreflektoren nicht zu.
Eingesetzt werden solche Winkelreflektoren in einem sogenannten âRöhrenreflektorâ. Das ist eine Plasteröhre, welche mehrere solcher kleinen ĂŒbereinander angeordneten Winkelreflektoren enthĂ€lt, die von der Winkelstellung ungeordnet zueinander sind.
Winkelreflektoren mit drei FlÀchen
Winkelreflektoren mit drei reflektierenden FlĂ€chen im Winkel von 90° zueinander werden dort eingesetzt, wo eine Retroreflexion in den dreidimensionalen Raum notwendig ist. Diese triangularen Reflektoren funktionieren wie das optische Analogon des Retroreflektors, gelegentlich auch als Katzenauge bezeichnet. Die maximale effektive RĂŒckstrahlflĂ€che tritt in Richtung der Symmetrieachse auf. Die effektive RĂŒckstrahlflĂ€che des in der Abbildung dargestellten triangularen Winkelreflektors aus dreieckigen FlĂ€chen wird berechnet nach:
Ï Ï = 4 Ï Ï â
â
a 4 3 â
â
λ λ 2 {\displaystyle \sigma ={\frac {4\pi \cdot a^{4}}{3\cdot \lambda ^{2}}}} (2) Ï Ï {\displaystyle \sigma } = Effektive RĂŒckstrahlflĂ€che a {\displaystyle {\text{a}}} = LĂ€nge der sich berĂŒhrenden Kanten der drei gleichschenkligen Dreiecke eines triangularen Winkelreflektors λ λ {\displaystyle \lambda } = WellenlĂ€nge des aufklĂ€renden RadargerĂ€tes
Betrag und Phase der reflektierten Energie bleiben in den von RadargerĂ€ten verwendeten Frequenzen unabhĂ€ngig vom Einstrahlwinkel relativ konstant bis in den Bereich, in welchem die reflektierte WellenlĂ€nge in die GröĂenordnung der Abmessungen der ReflektorflĂ€chen kommt. Die EinzelflĂ€chen des Winkelreflektors sollten also groĂ gegenĂŒber der WellenlĂ€nge sein. Je gröĂer ein Winkelreflektor ist, desto mehr Energie wird reflektiert. Die Halbwertsbreite der Hauptrichtung ist je nach der Geometrie der drei FlĂ€chen etwa 20° bis 40°.
Wenn von diesem berechneten Winkelreflektor mindestens acht oder mehr StĂŒck so zusammengefĂŒgt werden, dass in jede Richtung zurĂŒckgestrahlt wird, dann ist dem beobachtenden RadargerĂ€t immer einer der Winkelreflektoren mehr oder weniger effektiv zugewandt. Diese Bauart von Winkelreflektoren hat ein sehr kompliziertes Diagramm der RĂŒckstrahlung, in welchem die jeweilige GröĂe der effektiven ReflexionsflĂ€che in AbhĂ€ngigkeit von der Richtung der eintreffenden Radarstrahlung eingetragen werden kann. Die Hauptrichtung ist wieder die Position, in der alle drei sichtbaren TeilflĂ€chen eine gleich groĂe Parallelprojektion haben.
Vorteil des Winkelreflektors mit drei FlĂ€chen ist seine lageunabhĂ€ngigere Funktion (er darf auch vertikal etwas geneigt sein) und die gröĂere mechanische StabilitĂ€t. Diese Bauform wird daher eingesetzt, wenn sich die Winkel in zwei Richtungen Ă€ndern können. Nachteil ist, dass er bei gleicher effektiver RĂŒckstrahlflĂ€che gröĂer als ein zweiflĂ€chiger Winkelreflektor gebaut werden muss, da die spitzen Enden des Winkelreflektors an der Reflexion in die Ursprungsrichtung nicht teilnehmen. An diesen Enden wird lageabhĂ€ngig möglicherweise nur zweimal reflektiert, so dass diese Energie in eine andere Richtung gelenkt wird. Von der GesamtflĂ€che der Parallelprojektion ist in Richtung Symmetrieachse (Hauptrichtung) ein nur etwa gleichseitiges Sechseck wirksam. Manche Hersteller verzichten daher auf diese Ecken, so dass der Winkelreflektor eine polygone Form wie in diesem Bild erhĂ€lt. Oft werden auch Bauformen aus KreisflĂ€chen verwendet. Sie bieten einen guten Kompromiss zwischen Radarquerschnitt und Windlast. Sie sind oft in einer Kunststoffkugel untergebracht, um sie vor Eisansatz zu schĂŒtzen und die Windlast weiter zu senken. Solche Kunststoffkugeln mit Winkelreflektoren sind hĂ€ufig an Hochspannungsleitungen in der NĂ€he von Autobahnen zu sehen, da die dĂŒnnen Leitungen bei schlechter Sicht eine Gefahr fĂŒr Hubschrauberpiloten der Luftrettung oder fĂŒr Polizei darstellen.
Ï Ï = 12 Ï Ï â
â
a 4 λ λ 2 {\displaystyle \sigma ={\frac {12\pi \cdot a^{4}}{\lambda ^{2}}}} (3)
FĂŒr die in der Binnenschifffahrt meist im I/J-Band arbeitenden NavigationsradargerĂ€te mit einer WellenlĂ€nge von etwa 3 cm ist ein Winkelreflektor aus quadratischen Aluminiumplatten mit einer KantenlĂ€nge von je 20 cm als Radarziel ausreichend.
Ein Winkelreflektor, der rundherum in fast alle Richtungen zurĂŒckstrahlt, besteht zeichnerisch aus 12 gleichschenkligen Dreiecken und bildet 8 verschiedene Tripelspiegeln, welche um jeweils 90° versetzt sind. Wegen seiner 8 Ecken wird er auch oktogonaler Winkelreflektor genannt.
LĂŒneburg-Linsen
LĂŒneburg-Linsen als Radarreflektor gibt es in verschiedenen Bauformen. Sie verwenden ein Material mit nach innen zunehmendem Gradientenindex, zum Beispiel ein geschĂ€umtes Material, welches nach innen hin eine gröĂere Dichte hat. Eine HĂ€lfte dieser Kugel ist metallisch verspiegelt. Die Hauptrichtung der Reflexion ist die Symmetrieachse in die unverspiegelte Richtung. Auch diese Konstruktion reflektiert einfallende elektromagnetische Wellen in genau die Richtung, aus der sie kommen. Im Vergleich zu Winkelreflektoren ist sie bei gleicher effektiver ReflexionsflĂ€che geometrisch gröĂer, weil das von den elektromagnetischen Wellen zu durchdringende Material eine etwas höhere DĂ€mpfung als Luft hat.
FĂŒr den praktischen Einsatz auf Booten und Schiffen werden drei dieser Kugeln zu einer Montageeinheit vergossen, deren Hauptrichtungen um 120° versetzt sind, sodass eine Rundum-Reflexion von 360° erreicht wird. Diese Konstruktion wird als Tri-Lens-Radarreflektor bezeichnet. Von britischen Behörden in Auftrag gegebene Tests ergaben, dass diese Bauform der einzige auf dem Markt verfĂŒgbare passive Reflektor ist, der auch bei KrĂ€ngung eine zufriedenstellende Echowirkung erreicht.cite-ref-maib-5-0[5]cite-ref-bsu-6-0[6]
Ăhnlich einer LĂŒneburg-Linse können auch Rundum-Radarreflektoren gefertigt werden, die statt der rĂŒckseitigen Verspiegelung nur einen schmalen waagerechten GĂŒrtel aus einer leitfĂ€higen Schicht tragen. Sie sind extrem neigungsabhĂ€ngig, da die in die Kugel eintretenden Funkwellen exakt auf den reflektierenden Metallstreifen auf der RĂŒckseite gebĂŒndelt werden mĂŒssen. Sie eignen sich damit gut als Referenz- oder Laborvorrichtungen, aber nicht zum praktischen Einsatz auf Booten und Schiffen.cite-ref-maib-5-1[5]cite-ref-bsu-6-1[6]
Aktive Radarreflektoren
In der Sportschifffahrt und bei RettungskrĂ€ften werden auch Transponder und Search and Rescue Radar Transponder eingesetzt. EmpfĂ€ngt deren Elektronik einen Radarimpuls, wird ein starker Impuls auf der gleichen Frequenz zurĂŒckgesendet. Der Name âReflektorâ ist somit eigentlich irrefĂŒhrend. Diese Transponderantwort erscheint auf dem RadargerĂ€t als gröĂeres Echo als das Schiff selbst. ZusĂ€tzlich zeigen die aktiven Radarreflektoren mit einem Licht oder einem Warnton an, dass ein Radarimpuls empfangen wurde, und weisen so auf andere Schiffe in der NĂ€he hin. Ein groĂer Vorteil gegenĂŒber passiven Reflektoren ist die drastisch erhöhte Reichweite, da anstatt passiver Reflexion eine aktive Antwort mit fester Sendeleistung erfolgt. Das ist technisch begrĂŒndet, weil bei Transpondern gemÀà der Radargleichung die im RadargerĂ€t empfangene Leistung nicht der ZweiwegdĂ€mpfung (auf Hin- und RĂŒckweg), sondern nur der einfachen FreiraumdĂ€mpfung unterliegt. Jedoch ist diese Reichweite auf den Radarhorizont begrenzt, der bei maritimer Anwendung je nach Montagehöhe der Antennen bei etwa 40 nautischen Meilen liegt. Transponder können auch codierte Signale zurĂŒcksenden, die eine automatische Identifizierung ermöglichen.
Der Nachteil dieser Transponder ist, dass sie nur auf konstruktiv vorbestimmten Radarfrequenzen und nur auf klassische Impulsradare antworten können. Ihr Nutzen ist dadurch umstritten, da neue Radartechnologien teilweise andere FrequenzbĂ€nder verwenden, auf denen ein aktiver Radarreflektor wirkungslos ist.cite-ref-maib-5-2[5]cite-ref-bsu-6-2[6] Moderne Breitbandsysteme als Navigationsradar verwenden das gleiche Funktionsprinzip wie ein militĂ€risches Low Probability of Intercept Radar und senden extrem geringe Sendeleistungen. Die Sendeimpulsleistung kann am Empfangsort sogar unterhalb des Rauschpegels liegen. Diese Impulse werden durch den Transponder möglicherweise gar nicht bemerkt oder deren komplexe Modulationsart kann nicht zurĂŒckgesendet werden.cite-ref-7[7] Durch die unvermeidliche zusĂ€tzliche Verzögerungszeit in der elektronischen Schaltung erscheint das Transpondersignal in einer gröĂeren als der realen Entfernung, meist etwa 2 bis 3 nautische Meilen hinter dem passiv reflektierten Signal.
Anwendung
Winkelreflektoren als Ziele fĂŒr RadargerĂ€te finden Anwendung:
âą als Kalibrierstandard fĂŒr eine Freiraumkalibrierung von Antennen (zum Beispiel in der Flugsicherung zur RichtungsĂŒberprĂŒfung eines PrĂ€zisionsanflugradars);
âą als Navigationshilfen zur Markierung von Schifffahrtswegen in schwierigem Wasser (auf schwimmenden Seezeichen, an BrĂŒcken):
⹠zur Markierung der Start- und Landebahn auf FlugplÀtzen;
âą Radarreflektoren auf Wasserfahrzeugen zu deren besserer Erkennbarkeit durch Rundsichtradar anderer Schiffe und an Land;
âą zur Simulation eines groĂen Flugkörpers mittels sogenannter Scheinziele;
âą zur VergröĂerung der effektiven ReflexionsflĂ€che von Begleitschiffen, damit diese auf dem Radar gleich groĂ erscheinen, wie zum Beispiel der begleitete FlugzeugtrĂ€ger;
âą an einem Wetterballon zur Radarverfolgung und Messung von Windgeschwindigkeiten in groĂen Höhen;
⹠als definiertes Ziel zur Abstandsmessung bei RadargerÀten in Industrieanwendungen;
âą zur Markierung von gefĂ€hrlichen Objekten fĂŒr die Luftfahrt;
âą zur Landesvermessung (Radar-Triangulation);cite-ref-8[8]
âą zur PrĂŒfung und Kalibrierung automotiver RadargerĂ€te werden in Kfz-WerkstĂ€tten durch Motoren gedrehte Winkelreflektoren eingesetzt, welche durch ihre Drehung eine Dopplerfrequenz erzeugen.
Anwendung in der Schifffahrt
Damit ein Radarreflektor fĂŒr eine Anwendung in der Schifffahrt seine gröĂtmögliche Wirksamkeit auch erreichen kann, mĂŒssen bei der Aufstellung bestimmte Bedingungen berĂŒcksichtigt werden:
âą Feste Anbringung, bei der der Radarreflektor nicht verrutschen oder sich nicht drehen kann. Das vermeidet nichtstationĂ€re, sogenannte pumpende Echos, wie es beispielsweise bei einer âfliegendenâ Befestigung an Fallen, dem Achterstag oder dem Toppnant der Fall wĂ€re. Bei pumpenden Echos wird auf dem Radarschirm des EmpfĂ€ngers das reflektierte Signal abwechselnd dargestellt und nicht dargestellt. Raster-Scan-Anlagen fĂŒr Radar der Sport- und Berufsschifffahrt unterdrĂŒcken unter UmstĂ€nden jedoch derartige pumpende Echos, sodass das Segelschiff nicht wahrgenommen wird.cite-ref-9[9]cite-ref-fuerst-10-0[10]
Ein Oktaeder-Radarreflektor mit acht triangularen Winkelreflektoren kann auf einem Wasserfahrzeug grundsĂ€tzlich in zwei verschiedenen Stellungen angebracht werden: der Viererstellung oder der Sechserstellungcite-ref-fuerst-10-1[10]. Bei der Viererstellung zeigt eine Spitze des Oktaeders (= WĂŒrfelecke) genau nach oben und die gegenĂŒberliegende Spitze genau nach unten. Diese Stellung ist sehr einfach an einem vertikal verlaufenden Seil etc. zu montieren, hat jedoch in horizontalen Richtungen eine schlechte RĂŒckstrahlcharakteristik, da effektiv nur vier Winkelreflektoren zur RĂŒckstrahlung beitragen. Sie ist fĂŒr Wasserfahrzeuge also nicht optimal. Bei der Sechserstellung ist ein Winkelreflektor mit seiner FlĂ€chennormalen genau nach oben und der gegenĂŒberliegende Winkelreflektor mit seiner FlĂ€chennormalen genau nach unten ausgerichtet, so dass diese Stellung auch als Regenfangstellung bezeichnet wird. Diese Stellung hat in horizontaler Richtung zwar eine geringere, dafĂŒr aber ausgeglichenere RĂŒckstrahlcharakteristik als bei der Viererstellung, so dass sie fĂŒr Wasserfahrzeuge besonders gut geeignet ist. Im Schnittpunkt der drei FlĂ€chen empfiehlt sich eine LĂŒcke fĂŒr das Ablaufen von Wasser.
Die folgende Abbildung zeigt das gemessene RĂŒckstrahldiagramm fĂŒr die beiden genannten Stellungen am Beispiel eines 16 Zoll Oktaeder-Radarreflektor bei einem Neigungswinkel von 0°, also in horizontaler Richtungcite-ref-maib-5-3[5]. Die blaue Kurve zeigt hierbei das RĂŒckstrahldiagramm fĂŒr die Viererstellung und die rote Kurve das RĂŒckstrahldiagramm fĂŒr die Sechserstellung:
GemÀà SOLAS-Konvention, Kapitel V, mĂŒssen sĂ€mtliche Schiffe, auch Sportfahrzeuge, âsofern praktikabelâ mit Radarreflektoren ausgerĂŒstet sein.cite-ref-11[11] FĂŒr die AusrĂŒstung gilt aktuell ISO 8729, die in zwei Teilen (ISO 8729-1 fĂŒr passive, ISO 8729-2 fĂŒr aktive Reflektoren) vorliegt. Passive Reflektoren mit einer wirksamen ReflexionsflĂ€che von 2,5 mÂČ haben gemÀà Gleichung (2) fĂŒr 10 GHz eine KantenlĂ€nge (AuĂenkante) von 22 cm, was auf kleineren Yachten problemlos installierbar ist. GrundsĂ€tzlich gilt jedoch die Empfehlung, den gröĂtmöglichen Reflektor zu benutzen, der sich auf dem Schiff anbringen lĂ€sst, denn bereits ein Oktaeder-Radarreflektor mit der doppelten KantenlĂ€nge hat gemÀà Gleichung (2) eine 16-mal gröĂere ReflexionsflĂ€che.cite-ref-maib-5-4[5]cite-ref-bsu-6-3[6]
Weblinks
Commons
: Corner reflectors
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
cite-note-11. â Herleitung der Formeln auf radartutorial.eu
cite-note-33. â Aerospaceweb.org | Ask Us - Radar Cross Section. Abgerufen am 1. Oktober 2020.
cite-note-cornerrefl-44. â Microwaves101 | Microwave Coaxial Connectors. Abgerufen am 1. Oktober 2020.
cite-note-maib-55. â Performance of marine radar reflectors on the market. Marine Accident Investigation Branch von GroĂbritannien, 2007, abgerufen am 23. Dezember 2015.
cite-note-bsu-66. â Untersuchungsbericht 56/09, S. 23 ff. Bundesstelle fĂŒr Seeunfalluntersuchung, 2010, abgerufen im Jahr 2019.
cite-note-77. â Warnhinweis des Radarherstellers NAVICO im Handbuch fĂŒr das Breitbandradar (Seite 3)
cite-note-88. â Siehe englische Beschreibung der Radar-Triangulation
cite-note-99. â Egon Ohlrogge: Angewandte Radarkunde â Praxis fĂŒr die Berufs- und Sportschifffahrt. Delius Klasing 2001, ISBN 3-88412-353-X
cite-note-fuerst-1010. â Georg FĂŒrst: Radar an Bord - Das Lehrbuch fĂŒr den Skipper, Pietsch-Verlag 2009, S. 62â65, ISBN 978-3-613-50408-0.
cite-note-1111. â SOLAS V Regulations. Royal Yachting Organization, archiviert vom Original am 19. Juli 2016; abgerufen am 24. Dezember 2015. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rya.org.uk